Folklore im Ibiza-Lexikon

Aufgrund der phönizischen und maurischen Einflüsse nahm die kulturelle Entwicklung Ibizas einen gänzlich anderen Gang als die des spanischen Festlandes. So findet man in der ibizenkischen Volksmusik unüberhörbar orientalische Klänge. Ebenso sind die Tänze durch die Gebräuche Nordafrikas geprägt. Das wichtigste Instrument auf Ibiza ist sicherlich eine Flöte, die in der Inselsprache flaüta genannt wird. In der Regel wird sie aus Oleanderholz hergestellt. Der Flötist spielt sie mit einer Hand. Mit der andern Hand schlägt er zu der Melodie, die er spielt, auf einer Trommel, die aus Pinienholz gefertigt ist, den Takt. Auch verbreitet ist eine Klarinette, die ca. 1,5 Zentimeter dick, 15 Zentimeter lang ist und aus zwei Rohren besteht. Diese Klarinette erinnert stark an die maurische Zeit. Denn sie ähnelt sehr einer Maitund Zoummarah-Flöte. Natürlich dürfen in der ibizenkischen Musik Kastagnetten nicht fehlen. Sie gehören traditionell zum Musizieren dazu. Typisch für die ibizenkischen Tänze ist die Darstellung der sozialen und gesellschaftlichen Strukturen. Mann und Frau tanzen zusammen. Der Frau kommt dabei die Rolle der zurückhaltenden und scheuen Frau zu. Sie bewegt sich mit tippelnden, kleinen Schritten durch den Tanz. Der Mann hingegen verkörpert die Rolle des bestimmenden Mannes. Er nimmt viel Raum ein mit großen Schritten und Sprüngen. Die Darstellung kommt fast schon einem Balzverhalten nahe. Der Tänzer und die Tänzerin bewegen sich zum Klang der obligaten Kastagnetten. Der Tanz beginnt mit dem kurzen Abschnitt. Hier vollführt die Frau kleine, scheue Kreise. Der Blick des Mannes ist stetig auf sie gerichtet. Dann folgt der große Abschnitt. Hier werden die Bewegungen der Frau etwas größer, die Intensität der Bewegungen des Mannes werden raumgreifend durch die nunmehr sehr hohen und weiten Sprünge.


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